38 Grad & es wird noch heißer … Klingt nicht so abwägig. Stell dir vor, Du drehst den Wasserhahn auf und es kommt nichts. Kein Tropfen. Kein Wasser zum Trinken, Duschen, Gießen. Was wie eine Dystopie klingt, ist in vielen Regionen der Welt bereits Realität. Auch in Deutschland geraten Grundwasser und Trinkwasser zunehmend unter Druck – durch Klimakrise, Übernutzung und intensive Landwirtschaft. Doch während wir uns auf smarte Filtertechnik und teure Infrastruktur verlassen, liegt eine der wirksamsten Lösungen für echten Wasserschutz direkt unter unseren Füßen – im Boden auf unseren Bio-Äckern.
Warum Wasserschutz ?
Laut dem Bericht
der Landes-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) befinden sich in mittlerweile 72% der Vorkommen des Grundwassers Pestizidabbauprodukte. Unteranderem das Chemikalienabbauprodukt Trifluoressigsäure (TFA), das in 76 Prozent der Vorkommen gefunden wurde.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sprechen davon, dass etwa 1049 Substanzen auf deutschen Feldern in landen dürfen.
Manfred Mödinger, Studienautor der Übersichsstsudie „Schwarzbuch Wasser“ und geschäftsführender Vorstand der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V., sagt: „Die Situation ist doppelt bedrohlich: Rund drei Viertel des deutschen Grundwassers sind bereits chemisch verseucht. Zeitgleich werden immer mehr chemische Substanzen zugelassen. Diese landen früher oder später auf den Äckern und treten mit dem Regen dann ebenfalls ihren Weg ins Grundwasser an – mit ungewissen Wirkungen.“
Bio-Landwirtschaft: Ein Fundament für effektiven Wasserschutz ?
Öko-Bauernhöfe düngen anders, behandeln ihre Böden schonender und verzichten komplett auf synthetische Pflanzenschutzmittel. Das hat direkte Auswirkungen auf unsere Wasserqualität. Denn während durch die Nutzung von Pflanzenschutzmittel in der regulären Landwirtschaft, Nitrat und Pestizide in den Boden und damit in unser Grund- & Trinkwasser eindringt, setzen Bio-Betriebe auf geschlossene Nährstoffkreisläufe, natürlichen Humusaufbau und Fruchtvielfalt. So konnten im Jahr 2023 rund 4 Milliarden Kubikmeter an Wasser auf Öko-Flächen eingepeichert werden. Diese Speicherung erparten bis zu 2,6 Milliarden Euro an Wasseraufbereitskosten. Eine Praxis, die sich unter dem Strich auch finanziell lohnt.
Praxisbeispiele zeigen: Wasserschutz durch Bio funktioniert
Doch es bleibt nicht bei der Theorie. In ganz Deutschland gibt es bereits konkrete Projekte, die beweisen, wie stark Wasserschutz und Öko-Landbau Hand in Hand gehen. Eines der bekanntesten Beispiele ist das Wassergut Canitz bei Leipzig. Dort wird seit den 90er Jahren im sensiblen Trinkwassereinzugsgebiet ausschließlich ökologisch gewirtschaftet. Der Effekt? Die Nitratwerte im Grundwasser liegen stabil unter dem kritischen Schwellenwert von 50 mg/l, häufig sogar weit darunter. Gleichzeitig spart die Stadt Leipzig jedes Jahr bis zu zwei Millionen Euro bei der Trinkwasseraufbereitung. Ökologie rechnet sich.
Auch im „Blauen Land“ in Niedersachsen setzen sich Wasserverbände gemeinsam mit Bio-Betrieben für den Schutz des Grundwassers ein. Hier wird der ökologische Landbau gezielt in Wasserschutzgebieten gefördert und in regionale Wertschöpfungsketten eingebunden. Und im bayerischen Mangfalltal sichert eine Bio-Milch-Marke nicht nur faire Preise für Bauern, sondern stärkt gleichzeitig den Wasserschutz für die Millionenmetropole München. Diese Initiativen zeigen: Wenn Politik, Landwirtschaft und Wasserwirtschaft an einem Strang ziehen, entstehen nachhaltige Lösungen für die Zukunft.
Herausforderungen im Öko-Landbau: Wasserschutz braucht ständige Weiterentwicklung
Natürlich ist auch der Öko-Landbau nicht perfekt. Gerade in bestimmten Fruchtfolgen o
der bei übermäßiger Gülledüngung können auch hier Nährstoffe ins Grundwasser gelangen. Aber: Im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft liegen die Belastungen deutlich niedriger und Bio-Betriebe sind häufig bereit, neue Wege zu gehen. So laufen derzeit zahlreiche Forschungsprojekte, die zeigen, wie sich Nährstoffkreisläufe noch besser steuern und Wasserschutzmaßnahmen weiter optimieren lassen. Und hier liegt auch die große Chance: Mit gezielter Förderung, mehr Forschungsgeldern und politischem Rückhalt kann der Öko-Landbau zu einem echten Wasserschutzmotor werden und das nicht nur inModellprojekten, sondern flächendeckend.
Schonung von Grund- & Trinkwasser durch Partner und mutige Regionen
Besonders inspirierend ist das Beispiel aus dem Landkreis Ebersberg in Bayern: Dort wurde früh erkannt, wie entscheidend die Kooperation zwischen Bio-Betrieben und Wasserversorgern ist. Durch gezielte Umstellungsberatung und Fördermodelle konnten über Jahre hinweg zahlreiche Höfe auf ökologische Bewirtschaftung umstellen – mit messbarem Erfolg: Die Nitratwerte im Grundwasser gingen sichtbar zurück, die Biodiversität auf den Flächen nahm deutlich zu. „Der Ökolandbau ist kein Luxus, sondern eine der effektivsten Vorsorgemaßnahmen für sauberes Wasser“, heißt es dort treffend. Und genau darum geht es: statt später teuer zu reinigen, lieber von Anfang an nachhaltig handeln.
Der vollständige Bericht über das Projekt in Ebersberg und viele weitere Beispiele, können in der aktuellen Ausgabe des Bioland Fachmagazin – Ausgabe 07 gelesen werden.
Wasserschutz at Home: Was du als Verbraucher*in tun kannst
Was es dafür braucht? Vor allem eins: Bewusstsein. Denn Wasserschutz ist nicht nur Aufgabe von Landwirten oder Behörden. Er beginnt bei uns allen: beim Griff ins Supermarktregal, bei der Wahl regionaler Bio-Produkte und beim Engagement für eine Landwirtschaft, die langfristig denkt. Jeder Bio-Apfel, jede Milch von der Weidekuh, jedes Ei vom Öko-Hof ist ein kleiner Beitrag für sauberes Wasser, für gesunde Böden, für ein stabiles Klima.
Öko-Landbau und Wasserschutz – das gehört zusammen
Am Ende geht es um mehr als Nährstoffbilanzen oder Grenzwerte. Es geht um unsere Lebensgrundlage und die der zukünftigen Generationen. Wasser ist kein Luxus, es ist ein Recht. Und der ökologische Landbau ist einer unserer stärksten Verbündeten, um dieses Recht zu sichern.
Wusstest Du, dass der Wasserschutz unmittelbar mit der Bodenvielfalt zusammenhängt? Durch die wenige Pestzidibelastung sind Bio-Böden humusreich und reich an Artenvielfalt. Was das bedeutet, erfährst du in dem folgenden Artikel:
Quellen/Weiterlesen:
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2024): „Absatz an Pflanzenschutzmitteln in der Bundesrepublik Deutschland – Ergebnisse der Meldungen gemäß § 64 Pflanzenschutzgesetz für das Jahr 2023“, S. 6 und 8; Publikation abrufbar unter https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/04_Pflanzenschutzmittel/01_meldungen_par_64/meld_par_64_2023.pdf?__blob=publicationFile&v=2.
Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) unter dem Vorsitz des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg (2024): „Bericht zur Grundwasserbeschaffenheit in Deutschland – Pflanzenschutzmittelwirkstoffe und Metaboliten Funde und Tendenzen Berichtszeitraum 2017 bis 2021“, S. 7 und 31; Publikation abrufbar unter „https://www.lawa.de/documents/psm-bericht-2023-12-22-barrierearm-final_2_1728974845.pdf.
Heß et.al (o.J.): Ökologischer Landbau ist aktiver Wasserschutz, Universität Kassel
Mödinger (2025): Der Zustand von Grund- und Trinkwasser – Übersichtsstudie der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V., Schwarzbuch Wasser Teil V, Abrufbar unter: https://bio-mineralwasser.de/72-prozent-der-deutschen-grundwasservorkommen-mit-pestiziden-belastet/
Ökolandbau (2025): Wasserschutz: Was leistet der Ökolandbau?
Ökolandbau (2024): Wasserschutz in der Bio-Branche gezielt kommunizieren
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Text: Darina Fudulov, Bioland e.V.
Bild: Canva